Das Jerusalem des Nordens
Gemütlichkeit scheint in der Hauptstadt Litauens kein Fremdwort zu sein. Auf den ersten Blick mag Vilnius für manche vielleicht sogar ein bisschen zu verschlafen wirken. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sich schnell andere Seiten der schönen baltischen Metropole entdecken. Einen Überblick über die Stadt kann man sich von der Ruine der Burg von König Gediminas (der im 14. Jahrhundert die Stadt gründete) verschaffen. Die am Zusammenfluss der Flüsse Vlinia und Neris liegende Stadt ist entsprechend ihrem multiethnischen und multikulturellen Charakter unter vielen verschiedenen Namen bekannt: Wilno (polnisch), Wilnije (weißrussich), Wilne (jiddisch) und Wilna (russisch&deutsch). Seit dem Holocaust stellen die Litauer die Bevölkerungsmehrheit der Stadt, doch vor der Ermordung der jüdischen BewohnerInnen waren Juden mit etwa 49% die größte Einwohnergruppe. Das ehemalige Jerusalem des Nordens beheimatet zwar fast keine Juden mehr, ist aber weiterhin eine multiethnische Stadt mit knapp 20% Polen, 14% Russen und etwa 4% Weißrussen. Interessant ist ein Besuch des etwas heruntergekommenen Künstlerviertels "Republik Užupis" - international nicht anerkannt, feiert es trotzdem jedes Jahr am 1. April seine Unabhängigkeit mit Umzügen, Grenzkontrollen und einer eigenen (Spaß-)Währung. In der Umgebung von Vilnius empfiehlt sich ein Besuch von Litauens alter Hauptstadt Trakai. Im Mittelalter, als das Großfürstentum Litauen noch heidnisch war, wurde Trakai zur Abwehr der Kreuzritter des Deutschen Ordens errichtet. Heute ist die 40 Minuten mit dem Bus von Vilnius entfernt gelegene wunderschöne Wasserburg Trakai ein leicht zu erreichender Abstecher in die Geschichte des Baltikum.


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