Eremitage (Gosudarstwennyj Ermitasch)
Neben dem Pariser Louvre und dem Metropolitan Museum in New York zählt die Eremitage zu den größten Kunstmuseen der Welt. Sie beherbergt fast 3 Mio. Exponate, von denen jedoch nur ein geringer Teil in den 400 Räumen zu besichtigen ist. Der Architekt Bartolomeo Francesco Rastrelli, der das Hauptgebäude 1754-62 als Winterpalast im Auftrag von Zarin Elisabeth erbaute, hat seine Bedeutung und Wirkung bis in unsere Zeit vorausgesehen, als er sagte: »Der Palast wurde zum Ruhm des gesamten Landes gebaut.« Die Sammlung der Eremitage ist heute auf mehrere Gebäude verteilt. Allgemein wird Katharina II. als Gründerin der Kunstsammlung gesehen, da sie 1764 die ersten 225 Gemälde erwarb, eine Sammlung des Berliner Kaufmanns Johann Ernst Gotzkowsky, die eigentlich dem Preußenkönig Friedrich II. zugedacht war. Sie bestand vor allem aus Gemälden holländischer und flämischer Meister. Doch die ersten Erwerbungen gingen noch auf Peter den Großen zurück, der die Sammlung skythischer Altertümer veranlasste. Die Schätze sibirischer Steppenstämme stammen aus dem 7.-3. Jh. v. Chr. (Saal 15-21). Katharina aber betrieb das Kunstsammeln systematisch und bemühte sich, dem europäischen Ideal zu entsprechen. Sehr planmäßig erwarb sie Gemälde und beschränkte sich nicht nur auf den Erwerb schon bedeutender Sammlungen, sondern verfolgte aktuelle Ausstellungen und bestellte bei zeitgenössischen Künstlern. Als sie starb, war die Galerie des Zarenhofes ebenso umfangreich geworden wie die Galerien anderer europäischer Herrscher. Doch auch Nikolaus I. vermehrte Anfang des 19. Jhs. die kaiserliche Sammlung. Da ihm die niederländischen Maler zu sehr überwogen, füllte er die Lücken mit italienischen und spanischen alten Meistern. Nach dem Großbrand des Winterpalastes 1837 wurde 1852 die von dem deutschen Architekten Leo von Klenze erbaute Neue Eremitage als Museum eröffnet. Nicht nur die Sammelleidenschaft der Zaren mehrte den Reichtum, den wir heute in der Eremitage vorfinden. Es gab in Petersburg eine Reihe von weiteren Sammlern, zum Beispiel die Adligenfamilien Scheremetjew, Stroganow, Jussupow und Demidow. Ihre Schätze wurden nach der Revolution größtenteils verstaatlicht, wenn sie nicht schon vorher in den Besitz der Eremitage übergegangen waren. Viele der französischen Meister Anfang des 20. Jhs. aber wurden von zwei privaten Moskauer Sammlern erworben: Sergej Schtschukin und Iwan Morosow. Die beiden wunderbaren Bilder von Henri Matisse »Die Musik« und »Der Tanz« waren Aufträge Schtschukins. Doch als sie auf dem Pariser Herbstsalon 1910 ausgestellt wurden, war Schtschukin entsetzt und ließ die Geschlechtsteile des Flötenspielers rot übermalen. In den Jahren zwischen 1910 bis ungefähr 1930 wurde der Bestand der Eremitage durch Requirierung verdoppelt. Noch nie hat ein Museum in so kurzer Zeit eine derartige Bereicherung erfahren. Seit 1852 war es ein Museum für die Privilegierten der Hauptstadt, seit 1922 ist es der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Während Katharina II. noch klagte: »Nur ich und die Mäuse können diese Herrlichkeiten bewundern«, besuchen heute Tausende von Menschen täglich die Eremitage. Was gibt es wo zu sehen? Es gibt sechs Abteilungen, verteilt auf den Winterpalast, die Alte, Neue und Kleine Eremitage: 1. Primitive Kulturen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion: Hier sind besonders hervorzuheben die Zeugnisse des Kulturvolks der Skythen (Erdgeschoss). Das berühmte Gold der Skythen, Funde aus griechischen Grabstätten, wird in der Schatzkammer in den Sälen 122-126 des Erdgeschosses aufbewahrt. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen von Sonderführungen möglich. 2. Kunst und Kultur des klassischen Altertums: Hier sind bedeutende Kunstwerke der griechischen und römischen Antike ausgestellt - das Prunkstück dieser Abteilung ist die »Taurische Venus«. Sie wurde im 3. Jh. v. Chr. geschaffen und kam 1720 als erste antike Statue nach Petersburg (Erdgeschoss). 3. Kunst und Kultur des Orients: Im Erdgeschoss befinden sich auch die Exponate der orientalischen Sowjetvölker und der Frühzeit Ägyptens und Vorderasiens, im zweiten Stock die Kunst Chinas, Indonesiens, Indiens und des Mittleren Orients. 4. Die Münzensammlung zeigt Münzen, Medaillen und Orden verschiedener Zeiten und Länder (2. Stock). 5. Die Kultur Russlands vom 6. bis zur Mitte des 19. Jhs.: Hier sind besonders interessant die Repräsentationssäle des damaligen Winterpalastes - der Peterssaal mit dem Zarenthron; der Wappensaal mit den Wappen aller russischen Gouvernements; die Galerie der Helden von 1812, gestaltet von Rossi, mit den Porträts der am Napoleonischen Krieg beteiligten Generäle; der Georgs- oder Große Thronsaal, prunkvoll mit weißem Marmor und vergoldeter Bronze ausgestattet. 6. Die Kunst des Westens: Die älteste und größte Abteilung der Eremitage nimmt zwei Drittel des ersten Stocks und einen großen Teil des zweiten Stocks ein. Unbedingt hervorzuheben sind die Gemälde von da Vinci »Madonna Litta« (Saal 214), von Tizian »Danae« (Saal 219), die Werke von Rubens, 42 (!) Gemälde (Säle 245-247), die Werke von Rembrandt, 25 Gemälde (Säle 249-257), die Skulpturen Rodins (Saal 315), die französischen Expressionisten und Impressionisten im zweiten Stock, darunter 35 Bilder von Matisse, 36 von Picasso, 11 von Cézanne (Säle 343-350). Am besten sind Sie beraten, wenn Sie bei Ihrem ersten Besuch in der Eremitage an einer Führung teilnehmen, da Sie viele schöne und wichtige Räume des Winterpalastes zu sehen bekommen und so einen besseren Überblick erhalten. Di-Sa 10.30-18, So 9.30-17 Uhr, letzter Mi des Monats geschl., Dworzowaja nab. 32-36, www.hermitage.ru, Metro: Newskij Prospekt
Eremitage (Gosudarstwennyj Ermitasch) Fakten
- andere Namen: Gosudarstwennyj Ermitasch
- Öffnungszeiten: Di-Sa 10.30-18, So 9.30-17 Uhr, letzter Mi des Monats geschl.
- Website: www.hermitage.ru
- Adresse: Dworzowaja nab. 32-36, St. Petersburg, Russland
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