Die denkmalgeschützte Altstadt ist eine faszinierende Konstruktion auf Felsterrassen
Le Corbusier pries ihre organische Struktur, der Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke ihre romantische Lage, dem bulgarischen Nationaldichter Ivan Vazov erschien sie als »ein Traumbild, eine Fata Morgana«. Zum Süden hin der Balkan, zum Norden das hügelige Donautiefland, unten im Tal die Windungen des Flusses Jantra und mittendrin die Stadt Veliko Târnovo, die in ihrer Form an einen großen Vogel erinnert, der sich mit ausgebreiteten Schwingen auf den Felsterrassen niedergelassen hat - die Stadt zählt zu den malerischsten des Landes und steht heute unter Denkmalschutz.
Eine 5000-jährige Geschichte der Besiedlung hat diese wunderschön gelegene Stadt (75 000 Ew.) hinter sich, zwei Jahrhunderte lang, vom Ende des 12. bis Ende des 14. Jhs., war sie die Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches und eine kurze Zeit lang, nach der Ausgliederung aus dem Osmanischen Reich, auch die des neuen bulgarischen Staates. Veliko Târnovo war Wiege vieler bedeutender Schulen in der Literatur, Baukunst und Malerei, Heimat und Zentrum berühmter Vertreter der nationalen Wiedergeburt. Auch heute noch hat Veliko Târnovo seine Anziehungskraft nicht verloren. Bekannte und weniger bekannte Maler, aber auch Kunst- und Geschichtsinteressierte besuchen die Zarenstadt, um die ungewöhnliche Harmonie von Baukunst und Landschaft selbst zu erleben und zu interpretieren.
Die Überreste vom Zarenschloss und die Patriarchenkirche auf dem Hügel Carevec zeugen von der einstigen Rolle als Hauptstadt, die verwinkelten Gässchen im alten Teil südlich und nördlich der Straße Dimitâr Blagoev von der Zeit der nationalen Wiedergeburt und der antitürkischen Bewegung. Die Atmosphäre des 19. Jhs. ist zwar erhalten geblieben, aber ein großer Teil der Gebäude hat erheblich gelitten.


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