Die offene Atmosphäre ist spürbar, der Einfluss vieler europäischer Baustile sichtbar
Der Atmosphäre und Tradition nach ist die 182 000-Ew.-Stadt Ruse (gesprochen mit stimmlosem, scharfem s) unter den bulgarischen Großstädten die offenste. Sie war lange Zeit das »Tor zur Welt«. Der Hafen von Ruse war auf Mitteleuropa ausgerichtet. Von dort kamen die Geschäftsreisenden, die nach Konstantinopel wollten. Sie brachten Gastspiele ausländischer Orchester mit und stellten neue Musik und Instrumente vor. Viel Prominenz gab der Stadt die Ehre: Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Eugénie, Hans Christian Andersen, Franz Liszt. Elf Konsulate ließen sich hier nieder, mehr als in Sofia. In Ruse wurde 1866 die erste Eisenbahnlinie Bulgariens gebaut (die nach Varna führende), hier schuf man die Grundlagen des modernen bulgarischen Buchdrucks. Der ökonomische und kulturelle Boom war nicht zuletzt der Vielvölkergemeinde zu danken, die sich hier gebildet hatte: viele Griechen, Armenier, einige Deutsche und am zahlreichsten sephardische Juden. Der Schriftsteller Elias Canetti wurde hier 1905 geboren und verbachte seine ersten Lebensjahre in der Stadt. Später schrieb er, dass er in diesen sechs Jahren all das schon im Keim erlebte, was ihm später in vielen Teilen der Welt begegnen sollte.
Das Stadtbild unterstreicht den kosmopolitischen Charakter: Im Unterschied zu allen anderen Großstädten Bulgariens ist die Architektur nicht einseitig von der Nationalen Wiedergeburtsperiode dominiert, sondern weist den Einfluss vieler Baustile Europas auf: Barock, Renaissance, Empire, Art nouveau.













Ruse Videos

