Die ehemaligen Ausländerviertel gefallen, weil sie vertraut erscheinen: Hier entstanden um 1900 koloniale Bauten, die an die europäische Heimat erinnern sollten.
Hier lag aber auch das Experimentierfeld von Architekten, die Art déco, rationalen Bauhausstil oder die funktionale Moderne mit östlichen Gestaltungselementen kombinierten und interessante Gebäude schufen.
Die Hochstraße Yan'an Lu markierte früher als Avenue Foch die Grenze zwischen der internationalen Niederlassung und der Französischen Konzession. Die Franzosen lebten südlich dieser Straße und westlich der Chinesenstadt in einem 10 km² großen Areal. Hauptschlagader des Viertels war die Avenue Joffre, eine elegante Einkaufsmeile mit Cafés und Boutiquen. Als Huaihai Lu ist die Straße wiederauferstanden, geschmacklos saniert von Geschäftsleuten aus Taiwan und Hongkong - das Pariser Flair ist perdu. In die Kaufhäuser geht der Mittelstand zum Gucken, kaufen können hier nur die Neureichen. Im Französischen Viertel hat der Fortschritt aber noch nicht so große Wunden wie anderswo geschlagen. Hier stehen noch zahllose Apartmenthäuser im Stil des Art déco und in schattigen Alleen verwahrloste Villen, die antiquierten Kolonialcharme verströmen. Sehenswert sind renovierte Herrenhäuser wie das Hotel Tai Yuan Villa (Taiyuan Lu 160) und die opulente Villa, in der sich das Shanghai Arts & Crafts Museum (Fenyang Lu 79) befindet.
In dieser Gegend finden sich auch die für Shanghai typischen Reihenhäuser, die Lilongs oder Longtangs. Sie entstanden zwischen 1850 und 1940 vornehmlich für chinesische Angestellte ausländischer Firmen. Schöne Beispiele sind der 1925 im alpinen Stil errichtete Verdun Garden (Shaanxi Nanlu 39-45) und die 1930 gebaute Cité Bourgogne (Jianguo Xilu/Ecke Shaanxi Nanlu) sowie der im spanischen bzw. rationalen Stil gehaltene Shangfang Garden (Huaihai Zhonglu, Lane 1285).
Im Nordwesten des Viertels lädt die Xinhua Lu zu einem Spaziergang unter Bäumen ein. Wegen ihrer Schönheit wurde die Straße als Route für Staatsgäste genutzt, 1972 hat man Richard Nixon auf ihr entlangchauffiert. Heute finden sich hier einige trendige Restaurants, Bars und Boutiquen. Versteckt im Grün liegen Kolonialvillen: Wandern Sie durch die in den 1920er-Jahren hufeisenförmig angelegte Enklave der Xinhua Villas (Lane 211/329), und strolchen Sie auch durch die Lanes 115 und 119, um Longtangs und architektonische Schönheiten zu entdecken - wer weiß, wie lange das noch möglich ist. M 1 und Doppeldeckerbus 911 verkehren auf der Huaihai Lu...
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