Nicht wegen einer Stadt namens »Westlicher Frieden«, mit rund 4 Mio. Ew. Zentrum der Provinz Shaanxi, kommen Gäste aus aller Welt hierher. Gewiss hat auch das Xi'an von heute seine Reize. In erster Linie locken jedoch Attraktionen aus jener Zeit, als Xi'an noch »Chang'an« (Langer Friede) hieß, oder aus noch früheren Tagen, als jener »Erste Kaiser«, wohl der größte Despot in Chinas Geschichte, seine unterirdische Tonarmee erschaffen ließ.
Das Wei-Tal, in dem Xi'an liegt, ist - neben der Region Luoyang - eines zweier Kerngebiete, aus denen sich China entwickelte. Stets aber blieb in der Stadt die Nähe zur Steppe und ihrem kriegerischen Leben spürbar. Von hier aus eroberten die Zhou-Herrscher das Shang-Reich, von hier aus unterwarf der Erste Kaiser die anderen chinesischen Königtümer, und auch für die zweite Reichseinigung durch die Sui ab 581 diente Chang'an als Basis.
Von den Sui-Kaisern Ende des 6. Jhs. in großem Maßstab neu angelegt, wurde die Stadt unter der Tang-Dynastie zur Metropole von Weltgeltung. Ihr Mauergeviert von 8,2 mal 9,7 km Größe durchzogen Boulevards von bis zu 153 m Breite. Innerhalb der Mauern lebten bald eine Million Menschen und vor den Toren, so schätzt man, eine zweite Million. In Chang'an trafen sich zur Blütezeit der Tang Menschen aus ganz Asien: japanische Pilger und türkische Gesandte, persische Kaufleute und indische Mönche. Von hier zogen chinesische Pilger über die Seidenstraße aus, in Indien nach den Wurzeln des Buddhismus zu forschen. Mit dem Verfall des Tang-Reichs ab dem 8. Jh. schwanden Chang'ans große Tage dahin. Manche Spuren aber blieben: Am auffälligsten sind die gewaltigen Grabanlagen der Kaiser, die hier residierten. Von der kosmopolitischen Tang-Zeit künden Wandmalereien und Inschriften. Bis heute ist Xi'an Heimat vieler Moslems.
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