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Foto von Schlaufuchs
Von wo Sie auch kommen mögen: Die Bucht von Kotor (Boka Kotorska) mit ihren vier tief in das Festland eingeschnittenen Becken bietet schon beim ersten Anblick ein unvergessliches Panorama. Ob kurz vor der Landung auf dem Flughafen von Tivat oder auf der atemberaubenden Serpentinenabfahrt vom montenegrinischen Olymp, dem Lovćen, nach Kotor: Nirgendwo anders in Montenegro treffen steile Felswände und die grün glitzernde Adria so unmittelbar aufeinander wie hier. Harmonisch eingebettet in das Naturschauspiel sind die menschlichen Meisterwerke: Von oben glänzen die kleinen Kircheninseln vor Perast, Sveti Đorđe und Gospa od Škrpjela (Frau vom Felsen), im Wasser wie Kieselsteine in einer Pfütze.
Über Jahrhunderte hinweg bot die 28 km ins Inland hineinreichende Boka Kotorska - die Montenegriner nennen sie einfach nur Boka - Seefahrern Zuflucht vor der offenen Adria. Eine Geschichte der Eigenständigkeit, auf die die Bokelji noch heute stolz sind. Wegen ihrer Segelkünste ließ die venezianische Republik Sankt Marko die Flotte von Kotor unter ihrer Flagge gegen die türkischen Eroberer antreten; Zar Peter der Große heuerte die berühmtesten Seeleute der Gegend an, um die Fertigkeit seiner eigenen Kapitäne auf Vordermann zu bringen. Auf einer Bootstour durch die Bucht können Sie den einzigartigen Charme dieses Fjords des Südens hautnah einfangen - und den Kircheninseln vor Perast oder dem alten Seegefängnis Mamula vor Herceg Novi einen Besuch abstatten. Über Jahrhunderte Schnittstelle zwischen Ost und West, zwischen Venedig und Konstantinopel, Wien, Paris und Moskau, haben all die fremden Mächte den kosmopolitischen Geist der Boka um ganz eigene Facetten angereichert.
Vorbei an Palmen, kleinen Stränden und alten Steinhäusern führt die Uferstraße 70 km lang von Herceg Novi bis Tivat, neben Kotor die beiden größten Städte an der Bucht. An der Meerenge Verige, zwischen Kamenari und Lepetani, verkehrt das ganze Jahr über eine Fähre, sodass man schnell von der mit einem einzigartigen architektonischen Ensemble versehenen Altstadt von Kotor in die Blumenstadt Herceg Novi kommt.
Eingerahmt vom Orjen-Gebirge im Westen und dem Lovćen im Osten, lockte die Boka Herrscherfamilien und Seeleute seit Frühzeiten an. Zur Ruhe kamen die Bokelji deshalb nie: So fiel die Bucht bei der Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. an Westrom, während die übrige montenegrinische Küste an Byzanz ging. Die prägendsten Spuren haben die Venezianer hinterlassen, auch sprachlich und kulinarisch. Cappuccino und Pizza werden Sie hier öfter serviert bekommen als čevapi und pide.
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