Ein lebendiges Freilichtmuseum für Romantiker
In den Gassen östlich der Kathedrale lebte bis 1391 die jüdische Bevölkerung der Stadt in Frieden mit ihren islamischen und christlichen Nachbarn: Händler, Geldwechsler, Handwerker. Nach der Eroberung durch die Christen 1248 wuchs der Hass auf die Juden und gipfelte 1391 in einem Pogrom: Das jüdische Viertel, die Judería, wurde abgefackelt, die Bewohner ermordet. Bis Ende des 19. Jhs. war dieses Viertel ein Slum, dann wurde es wieder aufgebaut. Immerhin war es weltberühmt als Schauplatz romantischer Opern, etwa „Der Barbier von Sevilla“, „Figaros Hochzeit“ oder „Carmen“.
Was heute als altes Judenviertel daherkommt, ist also eine Kulisse nach den Vorstellungen des späten 19. und frühen 20. Jhs.: zweistöckige Häuser im andalusischen Dorfstil, lauschige Plätze mit Brunnen und Orangenbäumen, Balkons mit Geranien und Bougainvilleen, gekachelte Innenhöfe und schattige Gassen, Keramikläden, Bars. Besonders beliebt sind die Gassen Agua und Vida, Wasser und Leben, Symbole für die maurische Kultur. Phantastische Innenhöfe haben die Häuser 3 und 4 der Gasse Guzmán el Bueno sowie viele in den Straßen Mateos Gagos, Cruces und Ángeles. Wenn die Flügeltüren zur Straße offen stehen, ist es okay, in die Patios, die Innenhöfe, zu spicken: In so manchem Privathaus stehen römische Statuen oder aufwendig gestaltete Brunnen. Das autofreie Viertel erstreckt sich zwischen Plaza Doña Elvira, Callejón del Agua, Reales Alcázares, Santa María la Blanca und Mateos Gago.



