Das am Foyle River gelegene Derry (Londonderry) ist mit rund 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Nordirlands. Die Verwirrung um ihre Bezeichnung hat lange Tradition. Obwohl der offizielle Name Londonderry lautet (mittlerweile nur in England gebräuchlich), wird dieser von den meisten Locals abgelehnt. Manche Fernsehmoderatoren und Journalisten, die sich deswegen nicht in die Nesseln setzen wollen, vereinen beide Schreibweisen durch einen Bindestrich (engl. „stroke“), was Derry-Londonderry auch den Namen „Stroke-City“ einbrachte. Das Ressentiment gegenüber „London“ wird begreiflich, wenn man über die Rolle der Stadt während des Nordirlandkonflikts Bescheid weiß. Derry gilt neben Belfast als Hauptschauplatz der gewalttätigen Auseinandersetzungen der Krisenjahre. Nachdem am 30. Jänner 1972 in Derry 14 heimische Demonstranten durch britische Militärs den Tod fanden („Bloody Sunday“), eskalierte die Lage auf viele Jahre. Im katholischen Stadtteil Bogside zeugen die „murals“ - auf Hausfassaden gemalte politische Parolen - von den unheilvollen Zeiten. Auf Mauern anderer Art setzt Derry indes seine Hoffnungen auf die Zukunft – und die soll im Zeichen der Kultur und des Tourismus stehen. Als einzig komplett ummauerte City auf den britischen Inseln und mit einer der besterhaltenen Befestigungsanlagen in ganz Europa, verfügt die „Walled City“ über eine wirkungsvolle Trademark. Viktorianische Bauten und gute Museen tun ihr übriges. Für das Jahr 2013 ist der Titel der UK City of Culture bereits gebucht.
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