Prenzlauer Berg ist der Berliner Wohlfühl-Stadtteil schlechthin. Ein alltagstaugliches Paradies auf Erden – so muss es aussehen: Glückliche Menschen bevölkern sonnige Plätze, schlürfen in Gastgärten Milchcafés und schlendern durch Alleen voller alternativer Modeläden und schicker World-Food-Restaurants. Alles nochmals in den Schatten stellt das allsonntägliche Hipster-Woodstock am Mauerpark.
Paradies gewiss, die Frage ist nur: für wen? Während zum Mauerpark samstags und sonntags Freizeitvolk aus ganz Berlin strömt, mit massenhaft Touristen im Schlepptau, gibt sich die eigentliche Bevölkerungsstruktur des einst von der Mauer durchschnittenen Kiezes weniger bunt. Das Berliner Arbeitermilieu ist längst verschwunden, doch auch die nachgezogene alternative und kreative Szene kann sich ihr Fleckchen Idyll immer weniger leisten. Einkommensstarke Kleinfamilien mit Luxuskinderwägen ziehen in umfangreich sanierte Wohnungen und prägen zunehmend das Straßenbild. Prenzlauer Berg wurde so auch zum Synonym für Gentrifizierung. Dass unlängst der elitäre Suhrkamp-Verlag aus Frankfurt in die Pappelallee zog, spricht Bände.
Den gemeinen Touristen freilich streift das alles nur am Rande – ein Bummel durch Prenzlauer Berg ist Pflicht. Wunderschön anzusehen sind sie, die Altbau-Häuserzeilen des einstigen Arbeiterkiezes. Der größte Teil der Wohnhäuser entstand vor 1948, sie sind – je nach Jahreszeit – mit reichlich knospendem, blühenden oder gelb schimmerndem Geäst garniert.
Die Schönhauser Alle zieht sich zusammen mit einem stählernen Tausendfüßler (Hochbahnviadukt) als Hauptschneise durch den Stadtteil. Im südlichen Grenzgebiet zu Berlin Mitte laden mit White Trash, Bassy oder Roadrunner‘s einige der famosesten Partyinstitute der Stadt zum nächtlichen Freak-Out. In den vielen Terrassencafés am Kollwitzplatz wird kollektives Chillen zelebriert. Etwas weiter nördlich, an der Ecke Eberswalder Straße/ Kastanienallee, steht seit 1960 die Currywurstbude von Konnopke’s unterm S-Bahn-Viadukt – neuerdings goldglänzend, doch für viele immer noch das Berliner Original schlechthin. Die hübsche Kastanienallee säumen alternative Shopping-Perlen, in einem ihrer Hinterhöfe spannen sich zwischen Kastanien die Lichterketten des Praters – eines der traditionellsten Berliner Biergärten.
Von hier ist es nicht mehr weit zum Mauerpark. Die angrenzenden Straßen Bernauer- und Gleimstraße wurden in der DDR-Zeit über Nacht von der Mauer gekappt. Heute kommt auf dem einstigen Areal des Todesstreifens die ganze (junge) Welt zusammen, um bei Beck’s, Trommelsalven und Karaoke das ultimative Berlin-Feeling zu zelebrieren....
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