Kunst, Kommerz und rheinische Fröhlichkeit - eine weltoffene, mondäne und trotzdem gemütliche Stadt lädt ein, sich wohl zu fühlen
Die Landeshauptstadt Nordrhein Westfalens steht heute als touristische Destination klar im Schatten der nur dreißig Minuten entfernten Medienmetropole Köln mit ihrem mächtig über den Hauptbahnhof aufragenden Dom. Wer mit Düsseldorf allerdings bloß die Heimat der Toten Hosen und eine farblose Industriestadt assoziiert, tut ihr zum einen unrecht und lässt sich zum andern das ideale Ziel für einen Wochenendtrip entgehen. Denn Düsseldorf ist Punk-Attitüde, Modemetropole, Kunsthochburg, Architekturspielwiese, Schickimicki-Mekka und Ballermann-Paradies in einem, - und das auf derart engem Raum, dass auf das gut ausgebaute U- und S-Bahn-Netz gut verzichtet werden kann.
Herzstück der Stadt ist die durch einen von Platanen und Kastanienbäumen gesäumten Kanal durchzogene Königsallee - kurz Kö - eine Prachtstraße, die einst zurecht zur Riege der weltweit schönsten Einkaufsmeilen wie Champs Élysées oder 5th Avenue gezählt wurde. Hier reihen sich auf einem Kilometer die protzigsten Fashionstores (sowie deren kleine Brüder) von Armani bis Zara aneinander und laden zumindest zum Schaufenster-Shopping ein. Bodenständiger geht es auf dem rustikalen Carlsplatz-Markt zu, wo man sich im KaffeeReich zu einem 1-Euro-Bio-Stehcafe unters Volk mischen kann. Die Altstadt dominieren der Marktplatz vor dem Rathaus (zugleich Schauplatz des Karnevalauftakts und des Weihnachtsmarkts) und enge,mit Restaurants und Lokalen übersäte Straßen. Eine Düsseldorfer Institution ist das zünftige Brauhaus wie etwa das „Uerige“, - ab dem späten Nachmittag quillt hier das mitteilungsbedürftige Volk mit dem obligaten Alt-Bierglas in der Hand bis auf die Gehsteige hinaus. Das Ausgehen spielt sich an Wochenenden (sowie typisch für Düsseldorf auch mittwochs!) in der Ratinger- und Bolkerstraße ab. Während erstere auch die alternative Szene beheimatet (das Stone im Ratinger Hof) entspricht letztere einem (Horror-)Trip durch die bierseligen Abgründe Mallorcas.
Kunstinteressierte kommen in den gut ein dutzend vorwiegend auf moderne und zeitgenössische Kunst spezialisierte Museen der Stadt (Wiedereröffnung des K20 erst 2010) sowie unzähligen kleinen Galerien auf ihre Rechnung. Wer mit offenen Augen durch Düsseldorfs Straßen schlendert findet erstaunliche Architekturperlen wie Deutschlands erstes Hochhaus (Wilhelm-Marx-Haus) sowie das letzte vom Wiener Secessions-Architekten Joseph Maria Olbrich entworfene Gebäude (Kaufhof an der Kö). Im neuen Medienhafenhingegen haben junge, experimentierfreudige Architekturbüros ihre bunten Bauklötze um das Hafenbecken herum ausgeleert. Am besten lässt sich dieses phantasievolle Ensemble, mit den gewundenen Häusern des US-Stararchitekten Frank Gehry als Blickfang,von der Aussichtsplattform des 234 Meter hohen Rheinturm bestaunen.
Eine Empfehlung ist der hervorragende, im Pocketformat herausgegebene Past Finder Düsseldorf von Alexander Scherer, mit dessen Hilfe Plätze und Gebäude jener Epoche wiederbelebt werden, in der Düsseldorf zu den trendigsten Metropolen Europas zählte, der aber auch eine so spannende wie erschreckende Entdeckungstour durch eine der Hochburgen des Nationalsozialismus ermöglicht....


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