Sinjoren, Herren, nennen sich die Antwerpener voller Stolz, und ihre Stadt metropool. In der Hauptstadt Brüssel, behaupten sie, wird Geld ausgegeben, in Antwerpen verdient. Ganz Belgien lächelt über diesen Hang zur Großspurigkeit. Doch wer könnte es den sinjoren verübeln, dass sie ihre Stadt als Mittelpunkt betrachten?
Antwerpens Hafen ist nun einmal der zweitgrößte Europas. An vier Spezialbörsen wird über die Hälfte aller Diamanten und Brillanten der Welt gehandelt. Antwerpen bringt geradezu massenweise Modeschöpfer, Maler und Musiker hervor, lockt Theatermacher und Tänzer, Dichter und Verleger an - die kulturelle Szene sorgt für reges Leben. Das alles mit einer historischen Perspektive: Schließlich gehörte die Stadt an der Schelde im 16. Jh. zu Europas wichtigsten Handels- und Finanzplätzen. Nach den Wirren der Glaubenskriege bewirkte die Gegenreformation ein weiteres „Goldenes Zeitalter“, in dessen Mittelpunkt die Maler Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck glänzten. Trotz der schweren deutschen Bombardements mit den berüchtigten V2-Raketen im Winter 1944/45 zeugen heute noch viele Bauten und Kunstschätze von der glanzvollen Vergangenheit einer Stadt, in der das Leben wie nirgendwo sonst in Flandern pulsiert.
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