Viel Trubel in Madrids bekanntestem Park
Ein weißblauer Frühlingshimmel wölbt sich über Madrid, Zeit, mit Mann, Frau, Kind, Oma, Opa und Hund durch den Retiro zu streifen. Die Kastanien stehen schon in vollem Laub und beginnen zu blühen. Arbeiter richten lärmend die Wege unter den mächtigen Bäumen her. Über den kleinen künstlichen See rudert ein Liebespaar. Auf dem asphaltierten Uferweg stimmt ein schwarzer Saxofonist einen Ohrwurm an: Qué será, será, whatever will be, will be … Eine Frau zieht trockenes Stangenbrot aus einer Plastiktüte und zertritt es am Boden, für die Tauben. Ein vornehm ausschauender Herr hat einen Campingtisch aufgebaut und liest dem ersten Kunden am Tag aus der Hand, der macht ein ernstes Gesicht. Auf der anderen Seite des Sees, unter dem mächtigen Reiterdenkmal von Alfons XII., liegen Jugendliche faul in der Sonne und rauchen ohne allzu viel Heimlichtuerei einen Joint.
Die Touristen zieht es weiter in die Parkmitte: Im renovierten Palacio de Cristal und im Palacio de Velázquez ist zeitgenössische Kunst zu sehen (Eintritt frei). Im Süden steht die Fuente del Ángel Caído - wahrscheinlich das einzige Luzifermonument auf der Welt. An dessen Fuß bewachen acht Drachenköpfe symbolisch die Hölle, die der gefallene Engel nie mehr verlassen wird. Und im Südwesten des Parks erinnert ein Wald des Gedenkens aus 192 Zypressen und Olivenbäumen an die Opfer der Terroranschläge vom 11. März 2004, als eine Gruppe von Islamisten vier Vorortzüge auf dem Weg nach Madrid in die Luft sprengte.
Im 17. Jh. ließ Philipp IV. den Parque del Buen Retiro („Park zum guten Rückzug“) als Königsgarten anlegen. Seit 1868 ist er allen Madridern geöffnet - eine grüne Oase, die sich am Wochenende in einen quirligen Dorfjahrmarkt verwandelt. Metro 1, 2, 9: Retiro, Ibiza, Atocha

