Beste Reisezeit
Traumland Philippinen
(1988 lernte der Verfasser seine philippinische Frau in Deutschland kennen und reiste 1990 zum ersten mal mit ihr auf die Philippinen)
Kälte, Nässe, Stress und alle Alltagssorgen waren schon in weite Ferne gerückt. Soeben wurde der Anflug auf Manila gemeldet. Durch Wolkenfetzen hindurch sah man bereits abwechselnd blaues Wasser und grüne Inselchen. Kurz darauf gesellte sich der Moloch Manila mit seinem Häusermeer und dem nie endenden Verkehr hinzu.
Die Räume unseres Hotels waren angenehm kühl und wie der Zufall so spielte, lag gegenüber das Lokal "Shakey`s Pizzeria." Ein Lokal, das sich einen festen Platz in unserem Herzen eroberte. Vier Life-Bands, ein ausgezeichnetes Essen, Faßbier und eine elektrische Rückenmassage auf der Stehtoilette, waren nur ein Teil der empfangenen Annehmlichkeiten. Die Musik war von solch erlesener Qualität, daß man nicht merkte, daß es bereits früh morgens war.
Um 08.00 Uhr ging es dann weiter zu unserem Inlandsflug. Nach einer knappen Stunde verhieß der Landeanflug paradiesisches. Wir flogen über den Wolken auf einen Berg zu, aus dem sich leichter Rauch kräuselte. Es war die Spitze des majestätischen "Mt.. Mayon," dessen Ausläufer unter den Wolken verschwanden. Nach der Landung wurden wir von einer angenehmen Brise empfangen. Legaspi City, die Hauptstadt von Albay war erreicht.
Um die 80-km-Distanz zum Dorf meiner Schwiegermutter zu überwinden, einigten wir uns mit 2 Taxifahrern auf den Fahrpreis. Der jüngere der beiden war der Fahrer, der ältere sein Chef. Meine Frau konnte sich mit dem "Chef" unterhalten und gab dessen Drängen nach einer kleinen Anzahlung nach. Es sollte nicht hat lange dauern, da erfuhren wir den Grund dieses Ansinnens. Nach ca. 1 km Fahrt gab unser Gefährt, eine ca. 25 Jahre alte amerikanisch Limusine, stotternd den Geist auf. Der Sprit war ausgegangen. Aber im Lande der Improvisation war auch dies kein Problem. Das erst beste Tricycle, ein Moped mit Seitenwagen wurde angehalten. Über ein Schläuchen wurde in eine mitgeführte Blechdose etwas Benzin abgezapft und schwungvoll in den Autotank verbracht. Nach einem kurzen herzlichen Dankeschön an den Mopedfahrer erreichten wir die nächste Tankstelle.
Über eine gute, gewundene Straße erklommen wir die Bergwelt Albay`s und fuhren unserem Ziel zügig entgegen. In der letzten größeren Ortschaft vor unserer "Dschungelresidenz" legten wir noch einen Stop ein. Eine große Anzahl von Ladengeschäften boten uns ihre Waren feil. Die beiden Taxiunternehmer labten sich zwischenzeitlich an einer kühlen Cola und an einem süßen Reisriegel, zu welchem sie mich ebenfalls einluden. Die Kosten bestritten sie noch von unserem Vorschuß. Unterdessen füllte meine Frau den Kofferraum mit Getränken und Lebensmitteln so,daß sich der Deckel gerade noch schließen ließ.
Die anschließende Fahrt führte durch herrlichste Landschaften. Abwechslungsweise ein Meer von Palmen, Reisfeldern und einzelnen Flüssen und Seen. Als die Zementstraße endete, meldeten die Stoßdämpfer unserer Limousine, daß nun nach einer anderen Reisemöglichkeit gesucht werden mußte. In einer kleinen Ansiedlung von ca. 10 Häusern, eingebettet in ein Palmenmeer, entluden wir den Kofferraum und stellten alles an den Rand einer unbefestigten Straße. Unter Winken wendeten unsere beiden Chauffeure und verabschiedeten sich mit einer weiteren Anzahlung für die Rückfahrt und dem Versprechen, in einer Woche pünktlich wieder zur Stelle zu sein.
Alle unsere Habseligkeiten standen nun am Wegrand und ich mußte mehrmals meine Frau fragen, wie es nun weitergehen soll. "Zu Fuß" war die resolute Antwort, die mehr nach einem Befehl klang und keinen Widerspruch erlaubte. Wehmütig machte ich mich also auf den Weg und sah mich noch mehrmals nach unserem Gepäck um. So ganz gelang es meiner Frau nicht, mich davon zu überzeugen, daß schon irgendwer die Sachen nachbringen würde. So ging es bergauf und bergab in gemütlicher, jedoch schweißtreibender Gangart.
Unterwegs stieß meine bessere Hälfte plötzlich einen Pfiff aus. Nachdem sie meinen verdutzten Blick wahrgenommen hatte, erklärte sie mir völlig sachlich, daß sie damit für etwas kühlenden Wind sorgen könne. Ihr Vater hätte dies früher auch so getan. Sie werden es nicht glauben, aber in mein geringschätziges Lächeln wehte unmittelbar eine leichte Brise. Voller Hochachtung vor unerklärlichen Phänomenen ging ich gedankenversunken weiter.
Nach geschätzten 5 Kilometern waren dann endlich Stimmen und Hundegebell zu vernehmen. Noch nie in meinem Leben war die Sehnsucht nach einem Stuhl und einem kühlen Getränk so ausgeprägt, wie in dieser Stunde. Ich wurde reichlich entlohnt. Auf der Terrasse des Hauses meiner Schwiegermutter bekam ich die versprochene kühle Cocosmilch, die meine Lebensgeister wiedererweckten. Dabei war ich von gut 30 Kindern umringt, die so einen schwitzenden, dürstenden "Weißen" zum ersten mal sahen. Sie lachten und brachten mir ihre offene und ehrliche Zuneigung entgegen.
Wer einmal in seinem Leben ein unsagbares Glücksgefühl erleben möchte, muß in diese Gesichter geblickt haben. Sie strahlten eine Wärme aus, die das Strahlen der Sonne bei weitem übertrafen und die Seele übervoll werden ließen.
In der Folgezeit stellte sich heraus, daß die Erwachsenen genau das gleiche Gemüt besaßen. Zu unserer allabendlichen Terrassenfete kam immer der Bürgermeister mit abwechselnden Abordnungen. Mit englischen Grundkenntnissen ausgestattet, unterhielten wir uns über die große Weltpolitik und wo es wohl schöner sei, in Deutschland oder hier. In den Morgenstunden trennten wir uns jeweils nur ungern von Gitarrenmusik und Gesang.
Nach einer Woche war dann die Zeit der Harmonie und einer unglaublichen Gastfreundschaft zu Ende. Unsere beiden "Taxiunternehmer" warteten schon auf uns.
Zwei Tage später fand ich im kalten Frankfurt dann die Antwort auf die Frage meiner Gastgeber. Vielmehr noch, ich hatte mein Herz in diesem Land und bei diesen Menschen zurückgelassen. Ich war mir sicher, daß ich sie so oft wie möglich besuchen werde. Vielleicht einmal für immer.
PS.: Übrigens, unser Gepäck traf eine ½ Stunde nach uns vollständig in "meinem" Dorf ein.
Epilog:Inzwischen sind 8 Jahre vergangen. Meine Besuchsversprechen habe ich eingehalten. Von Jahr zu Jahr lernte ich dabei immer mehr Deutsche kennen, die sich zwischenzeitlich im Raum Legaspi City eine neue Heimat geschaffen haben.
Dies veranlaßte mich, zusammen mit einem kompetenten Unternehmen, dafür zu sorgen, daß Interessenten, die die gleiche Absicht haben, bei ihrem Vorhaben zubegleiten.
Auf einem wunderschönen Grundstück entstehen für europäische Kunden Bungalows und Häuser mit kompletter Infrastruktur. Nähere Informationen können Sie über die Homepage: allconsult.gmbh.de erhalten.
Mit freundlichen GrüßenNorbert Schmidt
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