Paris hat seine Bistros, Madrid seine Bodegas, Prag seine Bierstuben und London seine Pubs. Wien dagegen kann gleich mit drei ortstypischen gastronomischen Institutionen aufwarten: dem Kaffeehaus, dem Beisl und dem Heurigen.Die Literatur über das Wiener Kaffeehaus füllt ganze Bibliotheken. Bereits im Biedermeier und mehr noch um 1900 waren die Cafés Brennpunkte des Wiener Geisteslebens. Heute finden sich, über die ganze Stadt verstreut, mehr als 500 solcher Oasen, wo Sie unbehelligt stundenlang bei einer Schale Melange und dem obligaten Glas Wiener Hochquellwassers sitzen können und wo nicht nur ein großes Sortiment an Zeitungen, sondern vielerorts auch Schachbretter, Bridgekarten oder gar Billardtische die Zeit lustvoll zu vertreiben helfen. Überall wird das klassische »Wiener Frühstück« serviert. Es besteht aus einer Kanne Kaffee (oder Tee) sowie Brötchen (hier »Semmel« oder »Gebäck« genannt), Butter, Marmelade oder Honig und einem weichen Ei. Tagsüber gibt es dann, abgesehen von diversen Kuchen und Torten, in vielen Häusern nur Kleinigkeiten wie Würstel oder Toast, Omelette oder Gulaschsuppe. Viele der großen Renommiercafés im Stadtzentrum sind zugleich Restaurants mit teilweise hervorragender Küche.Die zweite kulinarische Hochburg des Wienertums, das Beisl, liegt wieder im Trend - dank der wundersamen Verjüngung der Wiener Küche, die ja eine Kombination aus böhmischen, ungarischen, italienischen, jüdischen und anderen mitteleuropäischen Kochtraditionen darstellt. Jahrzehntelang war die Stadt des Schnitzels und des Tafelspitzes, der Beuschel, Knödel und Palatschinken bei Feinschmeckern ob der kalorien- und fettreichen Kost verschrien. Inzwischen aber hat eine neue Generation ambitionierter Küchenchefs das Angebot modernen Ernährungsgewohnheiten angepasst.Ungebrochener Beliebtheit erfreut sich auch die dritte Wiener Institution, der Heurige. Diese meist mit malerischen Gewölben, Innenhöfen und Gärten versehenenen Lokalitäten, in denen man jungen Wein, bodenständige Imbisse und oft auch - live - Wiener Lieder serviert, finden sich in größter Konzentration in den alten Winzerorten an den Ausläufern des Wienerwalds im Nordwesten der Stadt. Mindestens ebenso stimmungsvoll sind die Heurigen in den stilleren Weingegenden wie Strebersdorf und Stammersdorf ganz im Norden, jenseits der Donau, oder, nahe der südlichen Stadtgrenze, im Bezirk Mauer. Die echten Heurigen, auch Buschenschanken genannt, sind an einem grünen Föhrenbusch über und einer Tafel mit der Inschrift »Ausg'steckt« neben dem Eingangstor zu erkennen.
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