
Das haben wir uns alle wohl ein bisschen anders vorgestellt. Hin zum Berg, gutes Wetter, perfekte Verbindung, jeden Tag tolle neue Fotos, Videos, Chats mitten aus der Big Wall heraus … alles ganz anders.
Das Wetter macht den Vienna Verticals bei der versuchten Erstbesteigung des Hunza Peak bisher einen riesen Strich durch die Rechnung. Die Bedingungen sind für September unüblich bescheiden. Es gibt jede Menge Schnee, Nebel und Kälte.
Außerdem klappt das Techno-Setting überhaupt nicht so, wie geplant. Der Hunza bildet offensichtlich eine mächtige Tarnkappe für die Satelliten-Verbindung und produziert ein veritables Funkloch. Was aber nicht so schlimm ist, weil durch das schlechte Wetter die Solarzellen die Akkus bei weitem nicht so toll laden können, wie sie es eigentlich tun sollten.
Was an Infos kommt, sind derzeit mündliche Updates per Satellitentelefon, die wir dann niederschreiben.
Hier die letzten Infos:
Gemäß AV-Wetterauskunft kann für die nächsten Tage in der Region ein Schönwetterfenster erwartet werden. Klaus und Jakob wollen morgen einen Versuch am SW-Grat starten, sofern sich das Wetter tatsächlich verbessert. Der Fels sieht von ihrem Lagerplatz aus gesehen vorzüglich aus – sofern Wolken und Nebel einen Blick auf den weiteren Wegverlauf zulassen… Es sind rd. 400 hm über Granitfels zum abschließenden Gipfelgrat.
Ein sofortiger Abstieg über den steilen Hängegletscher erscheint momentan aufgrund des vielen Neuschnees nicht ratsam. In ein paar Tagen sollte sich die Situation aber verbessert haben.
Das Team ist nunmehr bereits knapp vier Wochen am Berg unterwegs.
Für den 23. oder 24.9.2008 ist der Aufbruch vom Base Camp ins Tal vorgesehen. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit wollen Klaus und Jakob einfach einmal ausprobieren, wie weit sie am SW-Grat kommen, da für den Abstieg genügend Zeitreserven eingeplant werden müssen.
18.9.2008, ca. 9:00 MEZ
Anruf von Klaus: Es hat relativ viel geschneit. Klaus und Jakob befinden sich am Fuße des SW-Grates, wo sie einen guten Lagerplatz gefunden haben. Es geht ihnen gut, sie haben genug zu essen. Mit Harry, der im Base Camp wartet, sind sie in Funkkontakt. Klaus erkundigt sich nach einer Wetterprognose.
16.9.2008
Anruf von Klaus: Harry ist vom Hochlager ins Basislager abgestiegen. Klaus und Jakob möchten nach hoffentlich bald erfolgter Wetterbesserung im Alpinstil den SW-Grat anpacken.
15.9.2008
Harry meldet sich am 15.9.2008 per Sat-Handy vom Aufstieg auf den Hunza Peak aus einer Höhe von ca. 5.400 m. Zunächst das Wichtigste: Das Team ist wohl auf !
Während des Telefonats schneit es leicht. Statt des erwartet guten Wetters im September erweist sich das Wetter als sehr wechselhaft. Zunächst gab es Schnee, dann einige Tage wieder besseres Wetter, aktuell dürfte sich wieder eine Schlechtwetterfront nähern.
Untertags wird es – sofern die Sonne scheint – relativ heiß, sonst hat es etwa Null Grad, in der Nacht um die 10 Grad minus.
Der Einstieg in die Felswand auf ca. 5.400 m im Bigwall-Stil ist jedoch noch nicht erfolgt. Am Wandfuß konnte bisher noch kein idealer und sicherer Lagerplatz gefunden werden.
Der Zustieg zur Felswand wird von einer 1000 m hohen Eisrinne gebildet, die sich als sehr anspruchsvoll erwiesen hat. Es muss oft gesichert werden. Untertags ist der Schnee weich und es gibt immer wieder Steinschlag und Nassschneelawinen. In der Nacht sind die Verhältnisse besser und sicherer. Aus diesem Grund ist das Team seit sechs Tagen nur in der Nacht unterwegs (!).
Nach dem derzeitigen Stand der Dinge will das Team die Strategie ändern und auf den SW-Grat (auf dem Foto am linken Rand der Südwand des Hunza Peaks) ausweichen. Diese Route könnte eventuell im Alpinstil (also ohne Lagerkette und Fixseile) geklettert werden. Dagegen erfordert die Südwand jedenfalls eine Kletterei im zeitaufwendigen Bigwall-Stil.
Das Team möchte nun wieder zum Basecamp absteigen und sich dort erholen.
Anschließend will man wieder in der Nacht durch die Eisrinne aufsteigen und den SW-Grat in Angriff nehmen.
Die Kommunikation erweist sich aus zweierlei Gründen schwierig. Einerseits gibt es am Berg ein Funkloch (Gebiet, in dem gar keine Kommunikation möglich ist), andererseits funktionieren die Ladesysteme nicht optimal. Emails funktionieren derzeit gar nicht, daher auch keine Fotos.
Wir wünschen dem Team alles Gute für den entscheidenden Versuch !!!