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Als ich von meinen balinesischen Freunden zu einer Cremation Ceremony (Begräbnis- oder besser gesagt Einäscherungszeremonie) geschickt wurde, mit dem Hinweis auf “Sehenswürdigkeit”, wusste ich nicht was auf mich zukam. Zeremoniellen Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Tod wohnt unsererseits ja nicht unbedingt freiwillig bei, aber ich sollte eines Besseren belehrt werden. Nämlich, dass das Ende vom Leben kein Anlass zur Trauer sein muss, sondern zur Freude, und somit ein Grund ist gemeinsam zu feiern.

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Nach dem balinesischen Hindusimus sind Geburt und Tod Intervalle eines endlosen Lebens, die Kremation dient zur heiligsten Pflicht, nämlich die Seelen von der Last alles Irdischen zu lösen.
Verstorbene werden bis zur Verbrennung an einem heiligen Ort, also in einem Tempel, im einbalsamierten Zustand aufgebahrt, mitunter für längere Zeit, da sich nicht jeder die kostspielige Kremation leisten kann und es daher oft zu Massenverbrennungen kommt. Ein Balinese hat mir ein solches Ereignis mit der Bezeichnung “Big Barbecue” übersetzt, was verdeutlicht, das auch Humor im Zusammenhang mit dem Tod nicht als pietätlos gilt.

Ich hatte das Glück, die Kremations-Zeremonie von 3 Mitgliedern einer royalen Familie zu sehen, umso beeindruckender, weil besonders prunkvoll, war meine erste, überraschende Erfahrung mit einem freudvollen Lebensende, die ich mit Worten zu beschreiben versuche.

Auf meinem Weg hin zum Ausgangspunkt der Prozession, stieß ich auf abgesperrte Straßen, die bereits von zahlreichen, festlich gekleidete Balinesen und schaulustigen Touristen bevölkert waren. Ich habe mich vorab nicht über den Ablauf der Zeremonie erkundigt und wusste demnach auch nicht, dass die 3 kunstvoll gestalteten schwarzen Stiere in Lebensgröße, die auf Bambusrohren montiert, von je 20 Mann getragen, auf mich zukamen, die sogenannten Verbrennungstiere sind, also jene “Behälter” in denen die Verstorbenen zu Asche werden. Je nach Kastenzugehörigkeit, variieren diese Tiere in Rasse und Dimenson. Sie führen den Festzug an, der vom Haustempel der Verstorbenen, zum Bestattungsstempel führt.

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Beim Ausgangspunkt, dem Haustempel, standen 2 Türme bereit, ebenso auf Bambus montiert, aber mindestens doppelt dimensioniert, darunter je ca. 60 Männer in Transportbereitschaft. Das Gewicht dieser eigens von Hand gebauten, prachtvoll dekorierten Türme, die sicher 10 Meter in den Himmel ragten, wage ich gar nicht zu schätzen. Lauter Trommelschlag. Plötzlich kam alles in Bewegung. Aus dem Tempel gingen die nächsten Angehörigen mit Opfergaben, gefolgt von einer Gruppe Männern, die den ersten Holzsarg über eine Bambusrampe in den obersten Stock des Turms beförderten. Der zweite Sarg fand auch noch Platz, der dritte wurde in die Höhe des zweiten Turms platziert. Die Musik, gespielt von Gruppen junger Balinesen, wurde immer lauter, lebendiger, fröhlicher. Die vielen Menschen ringsrum schienen aufgeregt und gespannt. Ich war es auch.
Jetzt nahm die Prozession im wahrsten Sinne des Wortes ihren Lauf. Mit Schreikommandos hoben die Männer die undenkbar schweren Türme auf, inklusive den darauf platzierten Priestern. Bevor sie damit die Straße Richtung Verbrennungstempel entlang liefen, wurden sie in maximaler Geschwindigkeit drei mal im Kreis gedreht – um die Dämonen zu verwirren und ihnen die Chance verwehren, die Toten zu verfolgen. Übrigens wurden die Stromleitungen auf der Straße extra verhängt, sonst gäbe es für die überdimensionalen Konstrukte kein Durchkommen.

In Folge kommen die Männer mit den Türmen ca. 30 Meter weit, bevor sie die Last absetzen müssen, um wieder Kraft zu schöpfen. Die Mittagssonne brennt, Helfer stehen am Straßenrand und beschütten die Träger mit Wasser, auf halber Strecke steht sogar ein Feuerwehrwagen, der die Menge mit dem Wasserschlauch erfrischt. Der Festzug nahm unglaubliche Dimensionen an, die Menschen laufen mit, rufen, schreien, feuern die Turmträger an. Ich mittendrin, aufgeregt und überwältigt von diesem mitreißenden Spektakel. Nach ein paar hundert Metern stand eine Gruppe von Männern zur Trage-Ablöse bereit, ihre Freude endlich Anpacken zu dürfen, stand ihnen ins Gesicht geschrieben.

Nach 2 Stunden ist der Zug am nächsten Schauplatz angelangt, dem Bestattungs- bzw. Verbrennungstempel. Menschen tümmeln sich, der Geruch von frischen Saté-Spießen liegt in der Luft, dazwischen versuchen Balinesen den Touristen, die für die Teilnahme an der Zeremonie brav einen Sarong angelegt haben, einen weiteren zu verkaufen.

Am Vorplatz wird gesägt und unmontiert, die Verbrennungsstiere auf eine Bühne drapiert. Die Särge werden aus den Türmen geholt und in die hohlen Bäuche der Stiere verfrachtet. Darauf betten die Angehörigen Opfergaben an die Verstorbenen und Götter. Diese Prozedur nimmt eine eine weitere Stunde in Anspruch, bevor der Höhepunkt der Zeremonie beginnt. Unter den Tieren werden Gasbrenner postiert. Plötzlich wird es noch heißer. Die Tiere fangen Feuer, Flammen steigen empor, es knisteret und kracht, die Bühnen- und Tierkonstrukte fallen zusammen. Der Anblick dieses Infernos im gleißenden Sonnenlicht raubt mir den Atem. Die Menschen ringsrum schauen und staunen, es ist ruhig geworden. Die Menge beginnt sich langsam aufzulösen, nur wenige verfolgen die Verbrennung bis zum Ende. Natürlich gehöre auch ich zu ihnen und so kann ich mitansehen, wie einer der Körper sichtbar wird, weil er in den metallenen Bauch des Tiers gefallen ist und dem Feuer trotzt. Er will nicht verbrennen. Die Gasflamme wird höher gedreht und dennoch dauert es noch eine Weile, bis er verschwindet. Ob dieser Mann sich nicht vom Irdischen lösen wollte?

Stunden später wird die erkaltete Asche eingesammelt. Der Reinung durch das Feuer folgt noch die durch Wasser. Bis auf einen kleinen Rest, wird sie zur letzten Läuterung dem Meer übergeben. Die Angehörigen sind über die Aschenreste noch immer mit dem Verstorbenen verbunden, alle Hinwendung gilt nun seiner Seele, bevor ein zweites Fest der Seelenreinigung stattfindet, um den endgültigen Abschied zu vollziehen.

Ich werde dieses Erlebnis nie vergessen und kann nur jedem Bali-Besucher empfehlen, die Gelegenheit einer Cremation-Ceremony wahrzunehmen. Von all den wundervollen Zeremonien ist jene wohl die höchste, sie transportiert balinesischen Geist und Glauben, Lebenseinstellung, Kreativität und Schöpfungskraft im beeindruckendsten Ausmaß. Und wenn ich dann mal gestorben bin, wünsch ich mir auch ein Fest wie dieses.

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