Reisen zählt für mich zu den bereichernsten Erfahrungen, die das Leben bietet. Ich habe mir diese lange selber entsagt, weil sich niemand von meiner Reisefreude anstecken ließ und die Vorstellung alleine unterwegs zu sein, ein mulmiges Gefühl in der Magengrube auslöste. Bis das Fernweh einmal unerträglich wurde und ich den Rucksack für den ersten 3-wöchigen Thailand-Urlaub mit mir selbst packte.
Es war eine herrliche Zeit und weitere begleitungsfreie Urlaube folgten, bis ich zuletzt 6 Monate alleine in Südostasien unterwegs war. Die häufigste Reaktion auf diese Unternehmung war: „du bist aber mutig“, was aus meiner Sicht nicht auf das Alleinereisen zutrifft, sondern eher auf die Entscheidung mich vom Sicherheitsdenken zu verabschieden, mein Leben auf den Kopf zu stellen und mich ein halbes Jahr planlos treiben zu lassen. Unter dem hellen Stern „Auszeit-Freiheit“ lebte ich diesen Traum und hätte ich das nicht alleine gemacht, wären der Genuss und das Freiheitsgefühl mit Sicherheit weniger beglückend gewesen.
In erster Linie bedeutet alleine reisen Unabhängigkeit. Man kann tun und lassen was man will, man ist niemanden Rechenschaft schuldig, man muss sich keinerlei Launen unterwerfen, man muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Was für ein Luxus. Allzu oft wurde ich Zeuge von Streitereien zwischen (Reise-)Partnern, was mir die Vorteile meiner Freiheit noch bewusster machte und mich als Beobachter höchst zufrieden lächeln ließ.
Sofern man nicht auf dem Schweigekloster-Trip ist, hat man natürlich dann und wann das Bedürfnis nach kommunikativem Austausch. Das zu befriedigen ist auf Reisen sogar leichter als daheim, man wird automatisch offener, denn man erkennt schnell, das man nicht der einzige Reisende ist und alleine diese Tatsache verbindet und bietet genug Anstoß auf Menschen zuzugehen und seine Erfahrungen zu teilen. Aber auch Einheimische, die das Land mitunter noch nie verlassen haben, freuen sich über Berichte aus der unentdeckten Welt und rücken darüber hinaus mit ihren anderen Wertvorstellungen das eigene Weltbild zurecht.
Kontakte wie diese sind oft auch langfristig wertvoll und auf den eigens geschaffenen Inseln von „Reisegemeinschaften“ eine Seltenheit, denn man hat ja sich und kommt gar nicht auf die Idee mit anderen zu kommunizieren oder das Wagnis wird mit Eifersucht bestraft.
Es gibt auf so einer Reise viele besondere Momente, die derart schön und beglückend sind, dass man sie auf der Stelle mit seinen Liebsten teilen will. Diese Unmöglichkeit ist für Alleinreisende aus einem anderen Blickwinkel betrachtet gar nicht enttäuschend, man muss sich nur bewusst machen, dass man im alleinigen Besitz dieses Schatzes ist, und das macht das Erlebte umso wertvoller.
Alleine zu reisen bedeutet viel intensiver (er)leben, denn außer man selber ist nichts Gewohntes greifbar. Man lernt sich in dieser Losgelöstheit neu oder anders kennen, was phasenweise gar nicht so angenehm ist, denn sich selber kann man schwer aus dem Weg gehen. Langfristig ist aber genau diese Auseinandersetzung ein wichtiger Prozess für die Persönlichkeitsentwicklung.
Viele haben auch Angst vor dem alleine reisen, weil sie es für gefährlicher halten, besonders als Frau. Ich habe mich während meiner 6-monatigen Auszeit auf Reisen nicht einmal unsicher gefühlt. Vielleicht hatte ich Glück, vielleicht lag es aber auch einfach an der Intuition mit der ich Dinge getan oder gelassen habe und an meiner „gefahrabweisenden“ Einstellung – was soll schon passieren und warum sollte ich auf der Reise gefährdeter sein als daheim, wo ich auch nicht immer einen „Bodyguard“ bei mir habe?
Ich lege jedem Menschen zumindest einen Alleinreise-Versuch ans Herz, denn alleine ist nicht mit einsam gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil, alleine zu erleben ist in vielerlei Hinsicht bereichernd. Man kommt sich selbst näher ohne es darauf anzulegen, man wird selbstbewusster, stärker, offener, toleranter und letztendlich gelassener. Dieses Vermögen macht das Leben wesentlich (aus)kostbarer.





One Comment
joo stimmt ich bin auch oft alleine unterwegs. Unter an anderem 1 Jahr OZ, 6 Monate US, 2 Jahre Asien….. war nie langweilig