Der Inselstaat Singapur liegt inmitten Südostasiens, aber in der gleichnamigen Hauptstadt fühlt man sich eher, als wäre man irrtümlich zurück in den Westen geflogen. Wolkenkratzer, gigantische Shoppingmalls, durchgestylte Menschen und riesige Wohnsilos wohin das Auge reicht. Wären da nicht zwischendrin die vielen schönen Parkanlagen, prachtvolle Konolialbauten und ethnische Viertel, hätte ich die Stadt charakterlos ettiketiert.
Dennoch, Singapur Charme zuzusprechen, fällt alleine deshalb schwer, weil die Stadt derart „in Ordnung“ und clean ist, dass man schon fast von Sterilität sprechen muss. Dieser Zustand wird gesetzlich unterstützt, drohen doch für achtloses Wegwerfen von Müll und Zigarettenkippen hohe Geld- und Sozialarbeitstrafen. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass der Verkauf von Kaugummi von 1992 bis 2004 verboten war. Gnädigerweise darf man inzwischen wieder Gummi kauen, aber nur wenn aus zahngesundheitsfördernden Gründen (bzw. zur Nikotinentwöhnung) ärztlich verschrieben und gegen Vorlage eines Personalausweises über die Apotheke bezogen. Tja, wenn die Wirtschaft boomt, muss man wohl anderorts Beschäftigung finden.
Apropos Beschäftigung, das Erwirtschaftete muss natürlich wieder ausgegeben werden und das scheint der beliebteste Zeitvertreib der Singis zu sein. „Never move without some shopping bags“ als Credo? Entsprechend ausufernd ist zumindest das Shoppingangebot, die Konzentration ist unglaublich und weil die Geldbörsen offensichtlich gut gefüllt sind, bekommt man hier alles von Chanel bis Luis Vuitton, allen voran auf der wahrlich endlosen Einkaufsmeile Orchard Road.
Elektronik-Freaks befinden sich in Singapur auch im Paradies. Sofern sie nicht unter Überangebots-Phobie leiden, sollten sie Kaufhäuser wie Sim Lim Square besuchen, dafür aber mindestens einen Tag einplanen.
Dicht gefolgt ist der Shoppingwahn vom Esswahn der Singis. Die typisch asiatischen Straßenküchen passen in Singapur aber natürlich weniger ins Stadtkonzept, das Angebot ist deshalb aber nicht geringer, nur versteckter. In jeder Shoppingmall gibt es auch eine Food-Ebene mit einer Auswahl, die Geniesser-Mägen lauter knurren lässt. Das vielfältige Angebot spiegelt die multinationale Bevölkerung von Singapur wider – man findet chinesische, malaiische, indische Küche und selbst Westler müssen nicht auf französisches Baguette, italienische Pasta und spanischen Rotwein verzichten.
Leider ist auch das Preisniveau in Singapur westlich, die einzige Möglichkeit zu sparen ist, seinen Hunger in „Hawker-Food-Centers“ zu stillen. Das sind meist mehrstöckige offene Gebäude oder Hallen, in denen in Marktstand-Atmosphäre gutes Essen zu sehr günstigen Preisen feilgeboten wird.
Unterkünfte die das Reisebudget nicht überbelasten, findet man in Little India und Chinatown, wobei die günstigste Möglichkeit für ungenierte Backpacker, Betten in Schlafsälen von Guesthouses sind. Empfehlung: Sleepy Sam’s Bed&Breakfast im Arab Quarter, günstig und unweit der Innenstadt gelegen, wo man sich an der Bar des legendären Raffles Hotel zum Budgetausgleich einen Singapore Sling gönnen sollte.
Ein weiteres Must bei der Stadterkundung ist ein Spaziergang durch Little India, wo im Gegensatz zum tot renovierten Viertel China Town ein atmosphärisches Land im Land lebendig wird.
Ein Genuss der anderen Art, ein Besuch im National Museum of Singapore, ist ein Pflichtpunkt für alle Kunst- und Kulturliebhaber. Es ist ein absolut herausragendes Museum, dessen kreative, eindrucksvolle Ausstellungsgestaltung wir uns im Westen als Vorbild nehmen sollten.
Unterm Strich ist Singapur also trotz seiner Sterilität sehr facettenreich und wenn das Reisebudget nicht knapp ist, lohnt sich der Trip für das Multikulti-Erlebnis allemal.





One Comment
und wohl eine der besten Städte für den ersten Asien besuch.