Im Web wird gerade diskutiert, wie Sacha Baron Cohens Alter Ego Brüno die jüdische Gemeinde beeinflusst. (Mehr dazu hier.) Was mich aber als Exil-Deutsche in einer der bedeutensten Ex-Kaiser-Städte der Welt, nämlich Wien, mehr beschäftigt, ist die Frage: Hat Brüno irgendwelche Auswirkungen auf Österreichs Image?

Official Brüno Movie Poster
Wird Österreich dadurch ein bisschen hipper, interessanter, mode-bewusster oder sogar schwuler? Durch die Tatsache, dass sich Österreich auf den Bekanntheitsskalen dieser Welt nicht auf der Top List tummelt, was auch durch Arnie und The Sound of Music (hierzulande eher weniger bekannt) nicht gerade unterstützt wird, stellt sich nun die Frage, ob sich das Image Österreichs nun durch Brüno’s strapaziöse und vorallem kapriziöse Zuschaustellung auf den Runways in New York, London und Paris etwas ändern wird. Ich glaube nicht. Jedenfalls wird hier nichts verkündet, was nicht sowieso schon durch sämtliche Medien-Reißwölfe gedreht, ausgeschlachtet und schließlich zu Publikums-heischendem Brei verkocht wurde.
Leider fehlt vielen der Humor und die Einsicht, dass der Film eigentlich eher die Modebranche persifliert und mal wieder (siehe vergangenes Werk Borat) die Perversionen in unserer westlichen Gesellschaft wiederspiegelt. Wie es die Österreicher eh gerne selbst tun. Dass dabei Hitler und Fritzl (gottseidank nicht auch noch Dominik Heinzel) an den Haaren herbei gezogen werden ist eigentlich ein alter Hut in den Reihen österreichischer Komiker und Kabarettisten. What’s the deal?
Die Presse hierzulande findet das offensichtlich nicht lustig und echauffiert sich über die politische Unkorrektheit, die eigentlich schon keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken sollte, der 1 bis 2mal in der Woche Zeitung liest oder ein bisschen im Social Web unterwegs ist, wie dieses Zitat aus „heute“ belegt:
“Nein, das ist sicher nicht lustig: Der Hollywood-Skandal-Komiker Sacha Baron Cohen überschritt nun in seiner Rolle als Brüno bei einem Interview mit der Frauen-Zeitschrift „Marie Claire“ die Grenze des Erträglichen. – Eigentlich sollte er seine Mode-Must-Haves von A bis Z verraten, stattdessen leistete er sich einen verbalen Tiefschlag nach dem anderen – und verspottete die Opfer von Inzest-Monster Josef Fritzl. Der Schauspieler im O-Ton: „Ich will den österreichischen Traum leben. Ich such’ mir einen Job, baue ein Kellerverlies und züchte mir eine Familie heran“, fiel Cohens Alter Ego Brüno zu A wie Austria ein. Seltsam auch die Rolle des „Marie Claire“-Verlags: Mussten diese Sätze derart unkommentiert wiedergegeben werden?”





One Comment
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