Der Bär ist schuld, dass der Hase durch die Lappen ging. Der Air-Bär, Boardmagazin-Maskottchen von Air Berlin, das im wohl bescheuertsten und deshalb genialsten Comic der Welt zu seinen Abenteuern lädt und von weitaus wichtigerem ablenkt. Vom Mädchen mit dem Unterlippenpiercing auf dem Sitz gegenüber zum Beispiel, – gut, es nippt Vormittags und in Mitten der Economy-Class an einem Cocktail und es sieht womöglich jemandem ähnlich, noch lange kein Grund Verdacht zu schöpfen. Doch als es in der Ankunft vom Flughafen Tegel auch noch die Gepäcksbänder links liegen lässt und von einem Typen in Anzug und Krawatte empfangen wird, fällt es einem wie die Bärenschuppen von den Augen. Das ist Christl Stürmer, und es ist der Tag der Echo-Verleihung. Und überhaupt: Echo, Berlinale, Fashion Week, – in Berlin schrillt im Winter der Promialarm am lautesten. Für den Bad Tripper durchaus im warnenden Sinne. Im Leben wie auf Reisen streift er den Mainstream nur am Rande und sucht sein Glück im Verborgenen. Er und Christl Stürmer, das ist klar, müssen von nun an getrennte Wege gehen.
Fashion-Victims in Westsibirien
Berlin ist Glamour-Metropole. Doch Berlin ist auch ziemlich pleite, und im Februar stolpert alles über eine in ihrem Naturzustand belassene Schnee- und Matschdecke. Ich irre mit steifgefrorenen Ohren durch die Emo-Frühlingskollektionen in den großen Kaufhäusern rund um den Alexanderplatz. Mein panisch nach Mützen Ausschau haltender Blick fällt auf neonbunte Baseball-Kappen und Leggins für Herren, - in solchen Momenten wünscht man sich die Trend-Attitüden dieser Stadt zum Teufel. Vielleicht nennt man sie aber auch gar nicht so sehr zum Spaß „Westsibirien“, - diese Erkenntnis kommt reichlich spät, in wenigen Stunden werde ich meiner Gastgeberin, einer Wahlberlinerin, als hoffnungsloses Greenhorn gegenüberstehen. Draußen, dort wo mal der Alexanderplatz war, fegt ein schneidender Wind über ein matschiges Schneefeld, aus dessen Mitte die retro-futuristische Weltzeituhr und der U-Bahn-Eingang wie die Silhouette einer verwaisten Arktis-Forschungsstation ragen. Ein paar Punks und Street-Dancer üben zum Sound eines Ghettoblasters ihre Moves auf vereisten Stufen. Hier hat der erste Abend in der Ausgeh-Hauptstadt Europas keine Zukunft.























